"Wenn die alte Verhaltensweise in einer bestimmten Situation nicht funktioniert, kann eine neue ganz einfach daraus entstehen, dass die alte abgewandelt wird. In diesem Fall empfinden Sie nicht zuerst das Gefühl eines neuen Weges. Sie fangen an zu rennen nach Ihrer alten Methode, die dann verändert wird, weil sich der Körper und die Umgebung verändert haben. Typisch für solche Situationen ist, dass unser Gefühl uns nur die gewohnten Wege zeigt und warum diese nicht funktionieren. Sie können sie nicht zu einem neuen Weg "zusammensetzen". Sie stecken fest. Doch in seltenen Fällen kann der Körper sie "zusammenfügen" zu einem einzigen ganzheitlichen Gefühl eines neuen Schrittes, selbst wenn dieser Schritt nicht zu einer Handlung werden kann. Das ist ein "Felt Sense".
Dieses unvertraute, undefinierbare, einzigartige Gefühl ist ein nächster Schritt, aber nur als körperliches Gefühl, nicht in Worten oder Handlungen."
Eugene Gendlin in Dein Körper, Dein Traumdeuter", S. 160
Das ist ein Ausschnitt aus dem Text von Gendlin, der Grundlage für mein Wörter-Bild mit der Suchbewegung war.
Für mich daran erhellend und inspirierend:
Wenn die Umwelt sich verändert bzw. das Leben neue Anforderungen an mich heranträgt, reagiere ich darauf zunächst auf meine alte, gewohnte Weise. Im Struggeln damit, dass meine gewohnte Weise und die neue Situation nicht mehr zusammenpassen, kann ein FeltSense entstehen, der das körperliche Wissen einer (zukünftigen) veränderten Handlung bereits in sich trägt - ohne dass ich schon weiß, wie genau es dann gehen wird.
Ein neuer Weg?
Rückblickend kann das dann aussehen wie ein neuer Weg, der sich aufgetan hat. Aber im Moment des Noch-nicht-Wissens ist es einfach der zunächst noch ungelenke Versuch meines Organismus, mit der veränderten Situation klar zu kommen. Wenn es mir dann gelingt, nicht einfach weiter zu rennen oder immer mehr Wörter zu produzieren, sondern statt dessen langsamer zu werden, so kann ich Kontakt zu diesem FeltSense aufnehmen, der das „Neue“ bereits trägt. Das Innehalten mit dem schon Spürbaren, aber noch nicht Gewussten … … … nennen wir dann Focusing.
Woran erkenne ich das Neue?!
Das Neue, der nächste Schritt kommt im Körper zunächst oft als Gefühl oder als körperliches Spüren, nicht als Handlung oder Wort. Darin liegt das Unsichere. Ein Gefühl ist schon da, dass es irgendwie anders weitergehen müsste. Nur ich habe es noch nicht klar. Ich weiß noch nicht, wie. Der Clou im Focusing ist, dass allein durch das Innehalten und Dabeibleiben mit dem, wovon ich noch nicht weiß, was daraus werden wird ... sich das Neue entfalten kann. Der Ausgangspunkt ist vielleicht das Unbehagen im "so wie es ist, passt es nicht (mehr)". Und ja, es macht Sinn, sich dem zuzuwenden, was unbehaglich ist. Gendlin nennt es "the murky zone" (hier im Video).
Das Implizite anfragen
Wenn ich diesem Unbehaglich-Unklaren innerlich Gesellschaft leiste, kann ich meinen Körper mal probehalber fragen: "Wie wäre es, wenn das Neue schon da wäre, wenn es schon in meinem Leben wäre? Lieber Körper, wie würdest du dich dann fühlen?" Manchmal antwortet der Körper dann mit einer Ahnung von einem veränderten Lebensgefühl, der Verheißung eines anderen In-der-Welt-Seins: Stimmiger, vielleicht freier, vielleicht erleichtert, vielleicht mit klarerem Blick, aufrechterem Gang oder ... ... ... und auch, wenn ich immer noch nicht weiß, wie genau ich eigentlich dort hin gelange, so kann ich doch in dieses Ahnende hineinfragen: "Was wäre ein kleiner, machbarer nächster Schritt in Richtung des Neuen?"

Und dann kann es darum gehen, mich auf das Einzulassen, was da von innen kommt.

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