“Every bad feeling is potential energy toward a more right way of being if you give it space to move toward its rightness.”
Gendlin, Eugene T. (1978). Focusing. New York: Everest House, Kapitel 7
(Sinngemäße Übersetzung: „In jedem unangenehmen Gefühl steckt eine Bewegung hin in eine Richtung, die mehr ins Lebendige führt. Wenn wir ihm Raum geben, kann es uns genau dorthin führen, wo es stimmiger und wahrhaftiger wird.“)
Sommer. Ferien, zu mindestens noch in manchen Bundesländern. Endlich ist es nicht mehr brüllend heiß und es hat sogar geregnet. Eigentlich perfekte Bedingungen, um tief durchzuatmen, den Tag leicht zu nehmen und sorglos-unbeschwert durch die Tage zu gehen. Eigentlich!
Und eigentlich ist halt immer so eine Sache, denn da kommt es hinterrücks: dieses unangenehme Gefühl von innen. Nicht eingeladen, nicht passend, nicht sommerlich leicht. Der erste Impuls könnte sein: Bitte nicht jetzt. Weg damit. Ich habe Urlaub, ich will genießen, nicht innerlich aufräumen.
Also lenke ich mich ab, schiebe das Gefühl zur Seite, packe es gedanklich weg, um dann doch festzustellen: Es bleibt. Vielleicht nicht laut, aber hartnäckig. Genau hier kann eine kleine Reise beginnen. Denn statt gegen das Gefühl zu kämpfen, könnte ich ihm für einen Moment freundlich die Tür öffnen.
Nicht begeistert, nicht voll innerer Freude – ein blödes Gefühl ist nicht unbedingt ein Anlass zum Jubeln. Aber ich kann mich daneben setzen und sagen: Na gut, ich höre dir kurz zu. Genau das meint Focusing: dem, was da ist, Raum geben, ohne sofort etwas reparieren zu müssen. Und dann kann dieser magische Moment der Veränderung stattfinden: Aus dem dumpfen Unbehagen wird plötzlich eine klarere Sicht. Ein winziger Bereich des Lebens rückt in ein neues Licht. Etwas sortiert sich. Etwas kommt in Bewegung. Und ausgerechnet das nervige Gefühl wird zum Anfang einer Veränderung.
Die Blogredaktion wünscht einen schönen Restsommer und ob der Urlaub vorbei ist oder noch kommt, vielleicht gibt es ja immer wieder Zeit zum Spüren, was gerade Raum haben will.
Foto: R.Markones

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