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Der Focusing-Blog

Freiraum schaffen – manchmal beginnt es mit einem Taschentuch

Freiraum schaffen – manchmal beginnt es mit einem Taschentuch

Manchmal beginnt Freiraum-Schaffen mit etwas völlig Unspektakulärem.
Mit einem zerknüllten Papiertaschentuch zum Beispiel.

Vor mir sitzt ein Kind und weint. Tränen laufen über das Gesicht, gerade eben hat sich etwas zutiefst ungerecht angefühlt. In diesem Moment scheint die ganze Welt aus diesem Schmerz zu bestehen. Ein Taschentuch ums andere wird gebraucht.

Dann werfe ich – von meinem Platz aus – ein vollgeweintes Taschentuch in den Mülleimer.

Das Kind schaut kurz auf.
Ich werfe noch eins.

Plötzlich greift das Kind selbst nach einem Taschentuch und wirft. Erst mit Kraft und Wut. Dann landet eines daneben. Noch eines. Und fast unmerklich verändert sich etwas: Aus dem Werfen wird ein Spiel. Die Tränen versiegen langsam, der Körper wird ruhiger – und es wird wieder spürbar: Neben diesem Schmerz gibt es noch ganz viel anderes in der Welt dieses Kindes.

Hast du schon einmal erlebt, dass etwas ganz Alltägliches – wie ein zerknülltes Taschentuch – plötzlich eine kleine Veränderung möglich macht?

Focusing ist für mich mehr als eine Methode, mit der ich arbeite. Es ist eine Art, dem Leben zu begegnen – so, wie es auch Greg Madison in seinem Vortrag auf der Impulskonferenz beschrieben hat.

Natürlich kenne ich die Theorie des Focusing und weiß, dass der Felt Sense sein Herzstück ist. Gleichzeitig habe ich eine ganz besondere Liebe für den Schritt des Freiraum-Schaffens entwickelt. Für mich ist dieser Schritt besonders faszinierend und einladend. Vielleicht hat das auch mit meiner Arbeit mit Kindern zu tun, die oft noch viel unmittelbarer im Moment leben können.

Das Papiertaschentuch-Spiel habe ich jedenfalls nirgendwo gelernt. Und ich stelle mir gerade vor, was wohl Ausbildungsteilnehmende sagen würden, wenn ich „Taschentuchwerfen“ als Übung vorschlagen würde.

Doch die kleine Szene zeigt etwas Wesentliches: Fantasie und spontane Ideen können helfen, Freiraum zu schaffen. Einmal habe ich formuliert, dass dieser Schritt für mich eine besondere Spielwiese ist – ein Raum, in dem ich immer wieder neue Formen ausprobieren, weiterentwickeln oder auch wieder verwerfen kann.

Wann hast du dir zuletzt einen Moment Freiraum für dich selbst gegönnt – einfach, um Gedanken und Gefühle ziehen zu lassen?

Kleine Übungen für einen freien Kopf

Bei den „Plätzchen für die Seele“ gibt es zum Beispiel ein Plätzchen für den Abend, das beim Einschlafen helfen kann:
Und eigentlich passiert dort nichts anderes als Freiraum-Schaffen.

In unserer gemeinsamen Veröffentlichung mit Stefanie Daum – Der kleine Kopffreimacher – haben wir viele kleine Übungen gesammelt, die helfen können, den Kopf wieder freizubekommen:

Da wir beide Lehrerinnen sind, waren ursprünglich Jugendliche unsere erste Zielgruppe. Inzwischen bekomme ich jedoch häufig die Rückmeldung, dass auch Erwachsene die Übungen gerne hören und nutzen.

Die Veröffentlichung liegt schon eine Weile zurück, und inzwischen sind viele neue Ideen und Übungen entstanden. Eine davon möchte ich hier im Blog vorstellen. Sie ist – wie viele unserer Übungen – nichts grundlegend Neues, aber leicht verständlich aufbereitet.

Für Menschen, die gerne lesen, gibt es hier eine schriftliche Anleitung.
Wer lieber hört, findet hier ein Audio dazu.

Welche kleinen Rituale helfen dir, zur Ruhe zu kommen und den Kopf frei zu bekommen?
Was wäre möglich, wenn du dir selbst ein wenig Spielraum erlaubst – im Kopf, im Körper, im Alltag?

Vielleicht braucht es manchmal gar nicht viel, um ein wenig Freiraum entstehen zu lassen. Manchmal reicht eine kleine Idee. Ein Moment der Fantasie. Oder etwas ganz Alltägliches – wie ein zerknülltes Papiertaschentuch, das durch die Luft fliegt.

Viel Freude beim Ausprobieren – und eine gute Erfahrung dabei.

 

Bettina

 


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