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Der Focusing-Blog

Die Katze -spirituell, focusingorientiert

Die Katze -spirituell, focusingorientiert

 

In vielen Kulturen gilt die Katze als Krafttier – als Symbol für Intuition, Magie und Unabhängigkeit. Wer schon einmal erlebt hat, wie eine Katze einen ansieht, kennt vielleicht dieses merkwürdige Gefühl: Es wirkt, als würde sie nicht nur schauen, sondern durch uns hindurchblicken. Als sähe sie etwas, das wir selbst kaum wahrnehmen. Diese geheimnisvolle Aura begleitet Katzen seit Jahrhunderten. Sie sind nicht nur Haustiere, sondern erscheinen in Mythen, Geschichten und spirituellen Traditionen immer wieder als besondere Begleiter des Menschen. Ein schöner Überblick über diese Bedeutung findet sich zum Beispiel hier in einem Beitrag über die spirituelle Rolle der Katze.

Vor einiger Zeit erschien hier auf dem Blog bereits ein Beitrag mit dem Titel „Gendlin und die Katze“. Darin ging es darum, dass Eugene Gendlin – der Begründer des Focusing – zur Veranschaulichung seiner Haltung zu Spiritualität das Beispiel einer Katze verwendet. Interessant ist: Mit dieser Idee steht er nicht allein. Auch in der Literatur taucht die Katze immer wieder als Figur auf, durch die sich tiefe Fragen über das Leben und das Selbst erkunden lassen.

Ein besonders schönes Beispiel findet sich in den Romanen „Die Katze des Dalai Lama“ von David Michie. In diesen Büchern ist eine Katze die Hauptfigur – und durch ihre Beobachtungen werden buddhistische Gedanken auf heitere und anschauliche Weise erklärt. Im fünften Band, „Die Weisheit grauer Schnurrhaare“, beschreibt Michie eine kleine Begegnung in Dharamsala.

Eine Katze läuft zwei Urlaubern unverhofft über den Weg. Die beiden sind große Katzenliebhaber – oder zumindest halten sie sich dafür. Mit prüfendem Blick stellen sie sofort fest, dass der Kater keine reinrassige Katze ist, sondern eine Mischung. Sie äußern sich ziemlich abfällig über das Tier. Kurz darauf treffen sie die Katze erneut – diesmal in einem kleinen Café. Dort sitzt sie auf einem erhöhten Platz mit guter Aussicht. Neben ihr steht ein kleines Schild: HHC – His Holiness Cat. Es weist sie als die Katze Seiner Heiligkeit, des Dalai Lama, aus. Plötzlich sind die Touristen beeindruckt. Sie möchten unbedingt ein Foto mit der Katze machen – am liebsten für das Titelbild einer Katzenzeitschrift.

Die Katze selbst beginnt nach diesen beiden Begegnungen zu grübeln: Bin ich nun ein erhabenes, ehrwürdiges Wesen? Oder eine streunende, schmutzige Katze, die man am liebsten vertreiben würde? Oder bin ich vielleicht beides gleichzeitig? Und wenn das so ist – wie kann das sein? 

Diese Frage – Wer bin ich? – gehört zu den ältesten Fragen der Philosophie und Spiritualität. Sehen wir auf die Katze in Dharamsala, dann sind wir bei einer der Grundannahmen des Focusing. Dein Körper ist in einer Situation, die dich und dein Erleben beeinflusst. Dein Selbstbild ändert sich auch je nach Situation, und manchmal kommen dann unterschiedliche Teile deiner Persönlichkeit stärker zum Vorschein. Das heißt jetzt nicht, dass andere Teile weg sind. Wenn du still wirst und hineinspürst, merkst du vielleicht: Es gibt da einen Teil in dir, der sich echt wertvoll fühlt. Und dann gibt's da noch einen, der sich klein macht.

Focusing lädt dazu ein, beide Seiten wahrzunehmen, ohne sie vorschnell zu bewerten. So entsteht oft ein tieferes Verständnis für das eigene innere Erleben. Vielleicht ist es kein Zufall, dass gerade Katzen so oft mit Intuition und Weisheit verbunden werden. Sie scheinen etwas zu verkörpern, das uns Menschen manchmal schwerfällt: Sie sind einfach da. Sie versuchen nicht, sich zu erklären oder zu rechtfertigen. Sie wechseln mühelos zwischen verschiedenen Rollen – Jägerin, Schmusetier, Beobachterin. Vielleicht würde die Katze aus Dharamsala irgendwann zu einer einfachen Erkenntnis kommen: Ich bin nicht entweder oder. Ich bin alles, was gerade in mir lebt.

Und vielleicht liegt genau darin eine kleine spirituelle Weisheit – eine, die sich nicht nur denken, sondern auch im Körper spüren lässt.

 


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